Wirtschaftspsychologie

Die Arbeitspsychologie fand Ihre Anfänge gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte der Ingenieur F.W. Taylor das Konzept der wissenschaftlichen Betriebsführung (Scientific Management). Taylor ging davon aus, dass ein Unternehmen nach Produktivität und ein Mitarbeiter nach höherem Lohn strebt (Theorie des economic-man). Die ersten dreißig Jahre herrschte somit das Schema des monetären Anreizes, des zur Produktivitätssteigerung manipulierbaren Arbeiters und der Gleichsetzung von Mensch und Maschine. Kopf- und Handarbeit wurden unter dem Begriff Arbeitsteilung immer weiter verfeinert, bis die simpelste Handlung durch ausschließlich einen Mitarbeiter auszuführen war. Der Mensch sollte sich in vollem Umfang an das System „Betrieb“ anpassen. Schon damals kritisierte Hugo Münsterberg in seinem Buch „Psychologie und Wirtschaftsleben“ die Monotonie des Systems und führte diverse Studien und Befragungen durch (vgl.: Ulich, Arbeitspsychologie).

Heute nimmt aufgrund des Fortschritts die Automation immer größere Züge an. Menschen werden durch Maschinen substituiert und ihre Rolle als Einzweckwerkzeug weicht dem Anspruch Denkleistungen zu vollbringen. Das Erfordernis extrinsischer Motivation nimmt zunehmend ab und muss intrinsischer Motivation nachgeben. Um die richtigen Entscheidungen zu treffen und verantwortungsvoll zu handeln, ist diese Art des Ansporns sowie die Beziehung „Mensch – Technik“ ein wichtiger Bestandteil der heutigen Arbeitspsychologie (vgl.: Ulich, Arbeitspsychologie).

Im Zuge dessen weist die heutige Arbeitswelt etliche Megatrends auf. Dem fortschreitenden demographischen Wandel wird hierbei eine besondere Bedeutung zu Teil. Bei einer abebbenden und alternden Gesellschaft ist die Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit durch betriebliche Maßnahmen von außerordentlich hoher Bedeutung um wettbewerbsfähig zu bleiben (vgl.: Zukunft der Arbeit, Winterfeld / Godehardt / Reschner). Die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiter wird für den Erfolg eines Unternehmens somit immer entscheidender. Allerdings steigen die Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen (gerade in Bezug auf psychische Erkrankungen) und liegen derzeit bei ca. 16 Milliarden Euro und 84 Millionen AU´s jährlich. Waren vor 20 Jahren psychische Erkrankungen eher eine Seltenheit, sind sie zur zweithäufigsten Diagnosegruppe aufgestiegen mit einer durchschnittlich dreimal höheren Krankheitsdauer. Und die Kosten steigen aufgrund mangelnder betrieblicher Präventionsarbeit auf breiter Flur weiter. Bis 2030 rechnet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mit Kosten von 32 Milliarden Euro (durch z.B. Produktionsausfallkosten und eine sinkende Bruttowertschöpfung). (vgl.: psyga.info)

Neben weiteren zukünftigen Trends wie der Globalisierung, dem technischen Wandel, der Individualisierung sowie sich verändernder gesellschaftlicher Werte, gilt laut der Luxemburger Deklaration von 1997 zur BGF gem. der EG – Rahmenrichtlinie Arbeitsschutz, der gesunde, motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter als Voraussetzung für den Erfolg der EU. Den Mitarbeiter optimal zu belasten, die Arbeit gesundheitsförderlich auszurichten sowie soziale Unterstützung, sind somit das Grundgerüst des heutigen Verständnisses von betrieblicher Gesundheitsförderung.